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Geschichte

Die Geschichte der Flusswasserkunst

Der Ort

Der ehemalige Standort der Flusswasserkunst liegt mitten im historischen Herzen der Stadt. Hier, an diesem Abschnitt des Leineufers entstand Hannover, vermutlich auf Grund einer Furt über den Fluss und der Kreuzung zweier Handelswege zwischen Ost und West, sowie zwischen Nord und Süd. Nicht weit vom Standort der Flusswasserkunst sind neu heute die Reste der alten Stadtmauer zu sehen, zusammen mit dem Beginenturm. Auch das älteste, erhaltene Fachwerkhaus der Stadt ist nur ein paar Fußminuten weit entfernt. Am Standort selbst gab es schon im Mittelalter die erste öffentliche Wasserstelle Hannovers. Im Laufe der Jahrhunderte standen hier verschiedene Bauwerke, Vorgänger der Flusswasserkunst war die Klickmühle.


Die Flusswasserkunst

An dieser Stelle befand sich bereits im Mittelalter die erste öffentliche Wasserstelle Hannovers, an der es zahlreiche Wasserturmbauten gab, bis dann schließlich im Jahre 1896, die nach dem Krieg abgerissene Flusswasserkunst entstand. Die Gründe für diesen letzten Neubau lagen in der explosionsartigen Bevölkerungsvermehrung in der Stadt und des hohen Preises für Trinkwasser, der durch die Knappheit verursacht wurde und durch eine leistungsfähigere Pumpe gedrückt werden konnte.

1892 fing die Stadt Hannover an die Planung für den Neubau zu beginnen. Die Stadt war sich bei der Bedeutung der Planung bewusst, dass es sich hierbei um einen exponierten Standort handelte, zwischen dem Leine Schloss, dem Wagenheim-Palais und dem neuen Rathaus. Das Gebäude sollte räumlich als ein Tor verstanden werden, als ein Tor zur heutigen Altstadt.

Der Bau wurde ausgeschrieben und ein Architektenwettbewerb ausgelobt. Gewinner war Architekt Hubert Stier mit dem Entwurf „Alles fließt“. Sein Turm an der Wasserkunst wurde laut der Jury auch der Torfunktion gerecht, sodass die Wasserkunst in den Jahren 1896-1898 errichtet wurde. Der Gebäude wurde als Wohn- und Pumpenhaus und der Turm als Wasserturm genutzt. Im Zuge des Brückenbaus und der Verbreiterung der Straße wurde der Fluss an dieser Stelle erheblich überdeckt, sodass ein großer Brunnen vor der Wasserkunst den Bürgern die Nähe zum Element „Wasser“ erhalten sollte. Auch eine große Freitreppe wurde angelegt, um Passanten dazu einzuladen, in den Park direkt am Ufer der Leine zu locken.

Im zweiten Weltkrieg überstand die Wasserkunst den Bombenangriffen nahezu unbeschadet. Nach dem Krieg war die Frage nach dem zukünftigen Sitz der Landesregierung aufgekommen. Es wurde vom Rat Hannovers vorgeschlagen das Gelände rund um den Waterloo-Platz und auch das Leineschloss zu nutzen, für welches die Stadt noch die Nutzungsrechte inne hatte, die dann aber an das Land abgetreten wurden. Das Land lobte einen Wettbewerb für ein neues Landtagsgebäude aus, dessen Fläche sich auch auf das Gelände der Flusswasserkunst erstreckte. Die Vorschläge reichten vom kompletten Abriss des Leineschlosses, über die Erhaltung weniger älterer Bausubstanz bis hin zur vollständigen Erhaltung und einem lediglichen Umbau. Die Wasserkunst aber sollte in jedem Entwurf erhalten bleiben, zumal die Wasserkunst ihren Dienst die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen, weiterhin erfüllte.

Im Zuge des Neubaus wurde aber dann auch ebenfalls die Töne laut, die Flusswasserkunst zu beseitigen, um den Blick auf das nunmehr prächtige, neugebaute Landtagsgebäude freizugeben. Diese Töne schlug der Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht an und mit ihm auch schon bald einige andere Politiker, die „diese Schranke“ entfernen wollten und den „großartigen Straßenzug Friedrichswall, Leibnizufer und Waterloo-Platz zur vollen Geltung kommen zu lassen“. Hillebrecht wollte das Leineschloss mit dem Wagenheim-Palais in Verbindung bringen und „das pseudo-mittelalterliche Gebäude“ deswegen entfernen. Der Stadtbaurat plante aus diesen Gründen bereits eine neue Wasserkunst, die dann auch im Jahre 1963 in Betrieb genommen wurde und die Aufgaben der Flusswasserkunst vollständig übernahm. Sie wurde im Jahre 1998 schon wieder aufgeben.

Am 14. August 1963 erteilte die Stadt dann die Genehmigung zum Abbruch der alten Wasserkunst. Allein der Keller blieb aus Kostengründen erhalten, da man nicht auch noch das Stauwehr abreißen wollte. Als Argumente wurden die angeblichen Kriegsschäden genommen, sowie auch die Nutzlosigkeit im Zuge des Neubaus am Friedrichswall. Hinzu kam, dass die Stadt die Wasserkunst für architektonisch nicht erhaltenswert hielt. Zahlreiche Belebungs- und Umbauversuche sind seitdem fehlgeschlagen (unter anderem gab es Planungen für einen Ort der Begegnung mit einer hohen Säule und Sitzgelegenheiten, die aber alle scheiterten) und die Stadt sich diesem Missstand des Platzes sichtlich bewusst, sodass sogar ein Architektenwettbewerb zur Gestaltung des Platzes ausgelobt wurde, der zwar zu einem Sieger führte, aber außer dass damals für einen Preis von 8,2 Mio Mark als erste Baumaßnahme eine Brücke vor die ehemalige Wasserkunst gesetzt wurde, nichts weiter geschah und der Entwurf aufgegeben wurde. In jüngster Zeit wurde versucht durch das heutige Denkmal der „Göttinger Sieben“ diesen Stadtraum zu reparieren.

Diese Reparatur ist offensichtlich nicht gelungen, sodass dieser Ort heutzutage traurig und leer erscheint und seiner geschichtlichen Bedeutung in keiner Weise mehr gerecht wird.

Mehr Informationen finden Sie im Buch Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung“ von Friedrich Lindau. Teile des Buches können Sie in der Google Buchsuche in der Voransicht anschauen.


Wer war Hubert Stier?

Hubert Stier war der Architekt der Flusswasserkunst. 27. März 1838 in Berlin geboren, hat er vorallem in Berlin und Hannover gebaut. Seine Bauwerke folgten dabei vorallem dem Stil der Neo-Renaissance. In Hannover sind heute noch der Hauptbahnhof und das Niedersächsische Landesmuseum (ehemals Provinzialmuseum) Beispiele seines wirkens. Hubert Stier starb am 25. Juni 1907 in Hannover.
Wikipedia hält weitere Informationen zu Hubert Stier bereit.